14 Tage – 8000 Kilometer – Speed und Sonne pur in Andalusien

Ein Augustnachmittag zeichnet die Umrisse einer Palme auf eine kalkweiße Wand. In den Häusern genießen die Menschen abgeschottet von der Gluthitze in Abgeschiedenheit ihre Siesta. Am Ende der Gasse klappern die Hufe eines andalusischen Vollbluts, bevor sie einen Augenblick später in den angrenzenden Ölbaumhainen verschwinden. In der Geborgenheit einer Kapelle schmückt sich eine Madonna mit Geschmeide, während auf einem angrenzenden Hügel eine schmucklose maurische Festung in den azurblauen Himmel ragt.

Unter den Hufen eines Stieres oder unten den Absätzen eines Flamencotänzers – Andalusien bebt, Andalusien ist leidenschaftlich, Andalusien weckt Emotionen – besonders unterwegs in einem MX-5.

Andalusiens weite Strände sind sonnendurchtränkt, während die engen Täler und Schluchten der Sierra Nevada im Halbschatten verborgen bleiben. Außer zur Mittagzeit. Wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat, brennt sie erbarmungslos auf das karstige Land und seine Bewohner ein.

Wer durch Spanien reist, denkt im ersten Moment an die leuchtenden Farben wallender Flamencokleider, den romatischen Klang einer spanischen Malaguena, Sombreros, Gitarren, Gazpacho und Kastagnetten. Doch Spanien ist mehr – die Region lässt sich nicht nur auf ihre exotischen Seiten reduzieren.

Im Laufe der Jahrhunderte haben zahlreiche Kulturen ihre Zeugnisse hinterlassen. Allen voran die Araber. Andalusien ist das Land der Phönizier und Mauren, das die Christen in erbitterten Kämpfen in der Reconquista zurückerobert haben.

Wer Sevilla, Granada oder Ronda einen Besuch abstattet, wird auf Schritt und Tritt mit der stolzen Geschichte Spaniens konfrontiert.

In der Alpujarras, der Pforte zur Sierra Nervada, ist Andalusien am urtümlichsten. Hier liebt selbst die Natur den Roadster. Mit ihren steinigen Pisten, abenteuerlichen Schluchten, staubigen Pfaden und grandiosen Kurven in den Felswänden ist Andalusien ein wahres Dorado für jeden MX-5 Fahrer.

Im Zeichen des Stiers – in Andalusien roadstert es sich ganz vorzüglich. Zu den weiten Ebenen rund um Sevilla bieten die quirligen Passtrassen und Schotterpisten der Sierra Nevada einen fahrerischen Kontrastpunkt, der den Reiz dieses grandiosen Landstrichs ausmacht.

Vielversprechend ist auch die andalusische Küche. Sie ist von Region zu Region sehr unterschiedlich und wird zumeist mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln zubereitet. Nach einem staubigen Roadstertag wirkt eine kühle Gazpacho gefolgt von einem Kaninchen in frischen, andalusischen Gewürzen ausgesprochen erquickend. Die kalte Gemüsesuppe wird original aus Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Knoblauch, Brot, Olivenöl und Essig hergestellt und zumeist mit gerösteten Brotwürfeln gereicht. Auch wenn sich in Andalusien selber wegen der großen Trockenheit und tropischen Temperaturen kaum Weinanbaugebiete befinden, tut ein guter Rioja sein übriges um den erlebnisreichen Roadstertag zu einem entspannten Abschluss zu bringen.

Überall in Spanien kann man weiße Dörfer sehen. Doch hier in Andalusien erscheinen sie wegen des besonderen Lichts noch weißer als anderswo. Nur langsam verschwindet die andalusische Sonne tiefrot im Westen hinter den Gebirgsketten der Serrína de Ronda und taucht das Land in warme Braun- und Beigetöne. Die langen Schatten der wild zerklüfteten Kalklandschaft wandern schnell und hüllen die Landschaft in eine bizarre Atmosphäre. Tief in der Schlucht von Ronda kommen abertausende Fledermäuse aus ihren Felsverstecken und ziehen in irrwitziger Geschwindigkeit und größter Präzision ihre Bahnen über dem Abgrund.

Jetzt ist die Zeit gekommen, wo die Stadt zum Leben erweckt. Während tagsüber die Straßen wegen der enormen Hitze wie ausgestorben erscheinen, pulsiert das Leben nach Sonnenuntergang auf der Straße. Der andalusische Abend ist auch die Zeit der Ferias. Bei einem abendlichen Roadsterstreifzug entlang der wie auf einer Perlenkette aufgereihten Dörfer der Alpujarras, tauchen diese volkstümlichen Feste wie aus dem Nichts auf. Im grotesken Wechsel zwischen tiefster Dunkelheit der einsamen Gebirgsregion, dem kreischenden Zirpen der Grillen und bunten Lichter der Fiestas, bekommt man fernab der Hotelburgen an der Küste einen Eindruck vom ursprünglichen Andalusien. Viele dieser Feste vereinen religiöse und heidnische Elemente. Reiter in andalusischer Tracht, Ritter in historischen Kostümen oder Frauen in traditionellen Gewändern erinnern an die Wiedereroberung des Landes durch die Christen. Im nächtlichen Taumel südländischer Feste kommt der nächste Morgen viel schneller als man denkt. Die ersten zarten Sonnenstrahlen und ein leichtes Rot am Horizont kündigen den nächsten Tag an. Noch bevor das Morgengrauen anbricht und dem grandios sternenklaren, andalusischen Nachthimmel seinen Glanz stiehlt, erwacht die Natur zum Leben. Vögel zwitschern in den kargen Bäumen. Fern im Tal krähen die ersten Hähne und nebenan auf dem Feld scharrt ein Esel mit seinen Hufen im Sand. Es scheint so, als wenn die Natur die wenigen kühlen Morgenstunden nutzt bevor sie in der sengenden Sonne gegen Mittag nahezu vollständig zu Ruhe kommt. Zeit aufzustehen und zu packen, denn ein neuer Roadstertag hat begonnen und verlangt nach Taten: Unzählige Kurven warten und der Körper giert nach neuen Entdeckungen, Erfahrungen und dem Adrenalinschub in der nächsten Kurve. Ich habe keinen Roadster gekauft, um mich vor der Sonne zu verstecken: Hola Andalusia!

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