Frühlingsboten: Oster-Reise in die Camargue und westliche Provence

sanften Schwüngen windet sich die schmale, einspurige Landstraße durch die in frisches Grün getauchte Landschaft. Keine Frage – wo in der Heimat noch unfreundliches Aprilwetter und kühle Temperaturen herrschen, hat hier im Süden Frankreichs der Frühling schon längst Einzug gehalten.

IMG_5198Keine andere Region Frankreichs verzaubert ihre Besucher mehr als die Provence mit Ihren Kalkfelsen, Lavendelfeldern, malerischen Hügeln und Jachthäfen. Die Anreise in den „Midi“, die der Süden Frankreichs wegen seines besonderen Lichtes und Sonnenreichtums auch genannt wird, erfolgt am einfachsten über Strasbourg und das Elsass. In wenigen Stunden gelangt man so über die gut ausgebauten Autobahnen nach Dijon. Von dort aus geht es dann direkt in Richtung Süden.IMG_5329Bild029

Die Temperaturanzeigen über der Autobahn sind vielversprechend. Je mehr man sich der Provence nähert, umso mehr steigen sie in Richtung Sommer. Klare Sache – der lange, graue Winter hat ein Ende. Runter von der Autobahn, Verdeck auf und einfach nur noch die Sonne genießen. Auch wenn es noch lange nicht Hochsommer ist – die wärmende Frühlingsonne tut nach den langen Wintermonaten richtig gut. Unsere Route führt uns abseits der A7 oder auch „Autoroute du Soleil“ von Lyon immer entlang der Ufer der Rhone.

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Auf Höhe von Vienne geht es dann in die Berge. Hier ist der MX-5 zu Hause: Die malerische Landschaft ist zwar noch nicht subtropisch, gibt aber einen Vorgeschmack auf das, was vor uns liegt. Weit entfernt von den ausgetretenen Pfaden der alljährlichen Touristenströme in Richtung Süden, zeigt sich Frankreich hier im Alpenvorland zwischen Valence, Gap und Orange von seiner ursprünglichen Seite.

Immer wieder fahren wir durch kleine Orte, die aus nicht mehr als ein paar alten Steinhäusern, einer Kirche, Friedhof und natürlich einer „Boulangerie“ bestehen.

Nach der strapaziösen Anfahrt über Nacht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für ein Frühstück gekommen.

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Die Zutaten dafür gibt es in jedem der kleinen Orte quasi am Straßenrand. Einfach eine Croissant oder ein „Pain au Chocolat“ und den typischen „Café au Lait“ bestellen und schon kann der Roadster-Tag beginnen.

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Nach diesem Abstecher in die nördlichen Ausläufer der Provence sollte man gegen Nachmittag wieder Kurs gen Westen in Richtung Avignon nehmen. Mit seinem imposanten Papstpalast war die Stadt im Mittelalter lange Zeit neben Rom das Zentrum der Katholischen Kirche. Besonders sehenswert sind auch die Altstadt und die Gärten oberhalb des Palasts, von denen aus man einen herrlichen Rundblick auf die Umgebung und natürlich auch die berühmte Brücke von Avignon hat, der das Lied „Sur le pont d’Avignon“ gewidmet ist.

Für den Abend ist das weiter südlich gelegene Arles genau der richtige Ort für die Übernachtung. Mit seiner Arena im Mittelpunkt der Stadt ist Arles nicht nur ein Zeitzeuge der Römer, sondern hat über Jahrhunderte hinweg Maler und Künstler in seinen Bann geschlagen. IMG_5531Hier wirkten Größen wie Van Gogh oder auch Picasso. Es ist das besondere Licht dieser Stadt und ihres Umlandes, das den Reiz dieser Kulturlandschaft ausmacht. Im Sommer tauchen abertausende Sonnenblumen die Landschaft in warme Farben und auch im Frühling sind die vielen Blumen und das saftige, frische Grün eine wahre Erholung von dem grauen Winter in Deutschland.

Arles ist ideal, um einen kernigen Roastertag bei einem guten, französischen Landwein von den Ufern der Rhone, einem Baguette und dem passenden Käse ausklingen zu lassen. IMG_5220Besonders empfehlenswert sind in dieser Region die verschiedenen Sorten der weltberühmten Anbaugebiete rund um Châteauneuf du Pape. Das historische Stadtzentrum rund um das römische Theater lädt zum Bummeln und mit seinen unzähligen, kleinen Restaurants zum Verweilen ein.

Nach erholsamer Nacht geht es dann am nächsten Morgen weiter auf den Spuren der Römer in Richtung Nîmes. Wer einen Tag Zeit hat, sollte sich diese Stadt genauer ansehen, den neben dem römischen Theater bietet die Innenstadt sehr gute Shoppingmöglichkeiten und exquisite Läden.IMG_1852

Der berühmte Pont du Gard, ein Viadukt, mit dem die alten Römer vor nahezu 2000 Jahren den tiefen Taleinschnitt zur Bewässerung des Umlandes überbrückten, ist nur ein Steinwurf entfernt und noch heute im gut erhaltenen Zustand zu bewundern.bild037

Auf unserer Tour durch den Süden Frankreichs, ist Nîmes das Tor zur Camargue, einem im Delta der Rhone gelegenen Landstrichs, der durch riesige Wasserflächen, Salinen und Reisfelder geprägt ist. In dieser subtropischen Atmosphäre mit ihren riesigen Wasserflächen und Feuchtgebieten befindet sich der einzige Lebensraum für wildlebende Flamingos in Europa. Die schnurgeraden Straßen entlang der Reisfelder und Sümpfe laden zum gemütlichen Cruisen ein und stehen im völligen Gegensatz zur rasanten Kurvenhatz der Vortage. Gegen Nachmittag erreichen wir Aigues Mortes, eine alte Seefahrerstadt, die noch im Mittelalter unmittelbar am Meer lag. Von hier startet Ludwig der Heilige, der auf dem Hauptplatz eine Statue errichtet ist, zum sechsten Kreuzzug .IMG_5248

Durch das sedimentreiche Wasser der Rhone hat sich das Delta des Stroms im Laufe der Jahrhunderte jedoch immer weiter ins Meer hinausgeschoben, so dass Aigues Mortes heute im Landesinneren liegt. IMG_1659Das Besondere dieser Stadt ist sein völlig erhaltener, mittelalterlicher Stadtkern, der noch heute von der imposanten Stadtmauer eingeschlossen wird. Aigues Mortes steht heute noch da wie eine Festung aus einer längst vergangenen Zeit. Bei einem Rundgang über die Stadtmauer erhält man die beste Übersicht über diese faszinierende Stadt. Ein absolutes Muss ist auch der Nachmittags-Kaffee auf dem zentral gelegenen Marktplatz. Einfach in einem der vielen Cafés im Schatten der alten Bäume zurücklehnen und das mediterrane Leben an sich vorbeiziehen lassen – es gib keinen besseren Ort, um das Lebensgefühl im Süden Frankreichs in sich aufzusaugen.

IMG_1666Gegen Nachmittag geht es dann quer durch das Rhone Delta immer weiter in Richtung Südosten. Die langsam sinkende Sonne taucht die Landschaft in ein warmes Licht. Die riesigen Wasserflächen der Camargue spiegeln die sanften Sonnenstrahlen. Die ansonsten schneeweißen, wildlebenden Pferde der Camargue erscheinen vor dieser Kulisse sanftmütig und ruhig. IMG_1794

Gerade die späten Nachmittagsstunden bzw. der frühe Abend ist die wohl schönste Zeit diesen fantastischen Landstrich zu erkunden. Ein absoluter Geheimtipp ist die schmale Straße zu den Salinen am Ufer der Rhone in Richtung Salin de Giraud. Hier lassen sich die wohl schönsten Sonnenuntergänge der Region bewundern.IMG_5231

Den Abschluss des erlebnisreichen Tages sollte man auf Les Saintes Maries de La Mer legen. Die mittelalterliche Stadt am südlichsten Punkt der Camargue ist ideal für ein erstklassiges Fischmenü. Der fangfrische Fisch aus dem Mittelmeer wird hier zumeist im mediterranen Stil mit feinsten Gewürzen und Kräutern zubereitet. Besonders entlang des Hafens und in der historischen Innenstadt rund um die berühmte Basilika finden sich zahlreiche gute Restaurants, wo man den Abend verbringen kann.IMG_1671IMG_5303

Am nächsten Morgen lassen wir das Tiefland der Camargue hinter uns und fahren in Richtung Norden in die Provence. Direkt hinter Arles werden die Straßen schlagartig wieder eng und kurvenreich. Wie auf Schienen wuselt sich der MX-5 durch diese Achterbahn, an deren Ende die sagenumwobene Festungsstadt Les Beaux de Provence liegt. IMG_1834In den Fels gemeißelt, bot sie ihren Bewohnern über Jahrhunderte hinweg Schutz vor Feinden. Die Häuser der historischen Altstadt liegen dicht an dicht an den Hängen des Berges, umgeben von dicken Schutzmauern. Weiter oben schützen massive Tore die darrüberliegende Festung, die heute ein Museum ist. IMG_1832Der Eintritt lohnt sich auf alle Fälle, denn die gesamte Festungsanlage hat unterirdische Kammern und ist in den Fels gebaut. Ganz oben auf dem Bergrücken thront ein Plateau von dem aus man in alle Himmelsrichtungen freien Blick hat. Am Horizont erkennt man Avignon, das Mittelmeer und auch das Mont Ventoux Massiv – dem Höhepunkt unserer Kurzreise.bild077

Der Weg dorthin führt durch eine bizarre Karstlandschaft mit scharfkantigen, weißen Kalkfelsen, saftigen, grünen Pinienwäldern und den Weinfelder der Provence. Hier wächst der berühmte Merlot und Cabernet Sauvignon der Provence. Die Weingüter der Region bringen Jahr für Jahr seit Jahrhunderten Spitzenweine in die historischen Eichenfässer und laden zur Weinprobe ein. In

Als westlicher Ausläufer der französischen Seealpen erhebt sich dieser Berg majestätisch aus dem tiefer liegenden Umland. Seine weißen Kalkhänge und die peitschenden Winde auf dem Gipfel, gaben diesem Berg seinen Namen424CEF01-5DEA-4232-B68B-5737637578C2. Die Strecke zur Passhöhe ist sicherlich einer der Höhepunkte dieser Osterreise:

FullSizeRenderDer 1912 m hohe Mont Ventoux ist nicht nur eine Bergwertung bei der Tour de France – hier fanden in der Vergangenheit auch die Berühmten Bergrennen statt. „Pedal to the metal“: Diese Strecke lässt wohl nicht nur die Herzen von Rennfahrern höherschlagen! IMG_5213Mit ihren rasanten Kurven und Kehren gibt es für den echten MX-5 -Treiber kein Halten mehr. Der Motor dröhnt mit Drehzahlen von weit über 5000 U/min, die Reifen quietschen und die Temperatur steigt bei rasanten Geschwindigkeiten immer weiter in Richtung des roten Bereichs. Ganz klar – das ist Rennfeeling pur. Die Strecke ist so gut, dass wir uns kurzerhand entschließen sie dreimal zu fahren. Die beste Zeit dazu sind die frühen Morgenstunden oder der Abend, wenn der Ausflugsverkehr weniger wird und freie Bahn ist.

Oben auf dem Gipfel des Mont Ventoux erwartet die Besucher ein atemberaubendes Panorama, das im Süden bis zum Mittelmeer und im Osten bis in die französischen Seealpen reicht. Keine Frage – dieser Ort ist mystisch. Die harten Winde aus der Camargue peitschen die Südflanke des Berges hinauf, die Schatten der Wolken rasen über die schneeweißen Kalkterrassen des Gipfels, die Bremsen des Wagens riechen immer noch nach Rennbetrieb und verwandeln diesen Berg in eine Art Ikone des klassischen Motorsports.

Im flotten Tempo bahnt sich der MX-5 auf der darauffolgenden Abfahrt an der Ostflanke des Berges seinen Weg durch unzählige Kurven und Serpentinenkombinationen. Am Ende erreichen wir die Berglandschaft rund um Sault – der Hochburg des Lavendelanbaus. Leider ist der April noch etwas früh im Jahr – im Juni taucht man hier in ein wahres Lavendelmeer ein und der Duft der Felder begleitet einen die gesamte Fahrt. IMG_5187Aber die Frühlingssonne in der Provence ist natürlich viel besser als Aprilwetter in Deutschland. Alles fängt zu blühen an und in den kleinen Orten in der Provence spielt sich das Leben typisch südländisch auch schon im Frühjahr auf der Straße ab.IMG_1943 Die Gegend um Sault eignet sich ausgezeichnet für Ausflugstouren ins Umland. Es macht daher Sinn nach dem Roadtrip durch den Süden Frankreichs hier für einige Tage sein Quartier aufzuschlagen und es etwas langsamer gehen zu lassen. Hier schlägt das Herz der westlichen Provence – hier ist der richte Ort, um den staubigen Roadtrip ausklingen und die Seele baumeln zu lassen.

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