Toskana: Land der Zypressen, Land des Weins, Land der Kurven

Bella Italia – die kurvige, einspurige Straße windet sich durch die liebliche Hügellandschaft vorbei an Bauernhöfen, Weinfeldern, Zypressen und blühenden Mohnfeldern. Keine Frage – hier wohnt die Seele des weltberühmten Chiantis. Die warmen Erdfarben der jahrhundertealten Gemäuer von so bekannten Orten wie San Gimignano oder Volterra wirken wie Felsen in dieser ansonsten so grünen Landschaft. Sie sind untrennbar verbunden mit der Geschichte dieser Kulturlandschaft mitten im Herzen Italiens.

Die Reifen singen Ihr Asphaltlied und der MX-5 zieht unbeirrt seine Bahnen entlang der Kuppen und Windungen der toskanischen Hügellandschaft. Es gibt kaum eine Region in Europa, die auf so engem Raum dieses Höchstmaß an Fahrspaß bietet. Mit seinem agilen Fahrwerk ist der MX-5 wie gemacht für die schmalen, einspurigen Straßen des Hinterlandes von Siena und Florenz.

Im Norden Europas tobt der April mit Regen, Sonne und Nebel. Hier im Süden ist alles anders und natürlich viel besser. Gerade im Frühling und Frühsommer ist die Toskana wegen ihres milden Klimas ein sehr zu empfehlendes Reiseziel.

Bereits die Anreise durch die Schweiz ist vielversprechend: Nachdem das relativ flache Berner Land hinter uns liegt, eröffnen sich am Luzern die Schweizer Alpen in all ihrer Pracht. Für Reisende, die etwas Zeit mitbringen, ist es absolut zu empfehlen die alten Passstraßen über die Alpen anstelle der modernen Tunnel zu wählen. Alle Wege führen nach Italien: Auch wenn viele der Pässe so früh im Jahr noch geschlossen sind, gibt es immer Hintertürchen für die artgerechte Anreise über die Alpen. Da der große St. Gotthardt-Pass noch unter einer dichten Schneedecke liegt, wählen wir die Nebenpässe östlich für die Alpenquerung. Nach etwa drei Stunden Fahrzeit ab Luzern erreichen wir die italienische Grenze bei Como. Die sehr flache und landschaftlich geprägte Po-Ebene durchqueren wir auf Autobahnen. Geradeausfahren kann jeder und so bringt man diesen eher langweiligen Streckenabschnitt möglichst schnell hinter sich. Gegen Abend ist es dann soweit – ab Florenz tauchen die ersten Hügel der Toskana auf und entschädigen für die zurückliegenden Autobahnkilometer.

Unser Quartier schlagen wir mitten im Herzen der Toskana bei San Gimignano auf. Von hier aus erreicht man in einem Radius von 100 bis 150 Kilometern alle wichtigen Orte und Landstriche. Da uns insgesamt nur vier Tage zur Verfügung stehen, ist eine straffe Planung angesagt: Auch wenn es ambitioniert klingt – es ist durchaus möglich die Toskana in dieser kurzen zu erkunden und zu genießen:

Tag 1 – das Herz der Toskana

Ein freundliches „buon giorno“ begrüßt uns aus der hinteren Ecke des Gastraums des als Familienbetriebs geführten Hotels Vecchio Asilo in Ulignano bei San Gimignano. Der italienische Tag beginnt mit saftigen Früchten, frischem Kuchen von „Mama“ nach einem uralten Hausrezept und einem in Handarbeit hergestellten Cappuccino von Guido, der das Hotel liebevoll leitet. Hier wohnt die italienische Gastfreundschaft in Person und wir bekommen viele Tipps zur Erkundung der Gegend. Durch die zentrale Lage inmitten der Toskana ist hier die die perfekte Basis für Ausflüge in alle Himmelsrichtungen. Nach kurzer Fahrt erreichen wir den weit über seine Stadtgrenzen hinaus bekannten, mittelalterliche Ort San Gimignano. Schon während man sich der Festungsstadt nähert, fällt die imposante Skyline auf: Die Stadt war im Mittelalter eine sehr wohlhabende Handelsstadt und die rivalisierenden Familienclans haben Ihrem Reichtum durch möglichst hohe Türme auf Ihren Häusern Ausdruck verliehen. Durch mächtige Stadttore und auf uraltem Kopfsteinpflaster gelangt man durch die wegen ihrer verwinkelten Gassen für Fußgänger vorbehaltenen Innenstadt. Der Ort wirkt wie die Kulisse für ein mittelalterliches Schauspiel. Erhaben erhebt sich die Festungsstadt aus dem Umland wie eine Burg. Besonders empfehlenswert ist ein Aufstieg zur Festung. Einige der Türme sind begehbar und bieten unvergessliche Ausblicke auf die grünen und blühenden Landschaften der Toskana.

Als absolut sehenswert erweist sich in der zentralen Toskana auch das kleine Städtchen Monteriggioni. Seine vollständig erhaltene Stadtmauer wirkt aus der Ferne wie aus einer anderen Zeit. Den passenden Abschluss des ersten Tages bietet eine der wohl schönsten Städte Italiens: Siena. Man muss die Atmosphäre auf dem Piazza Del Campo erleben, um das Lebensgefühl der Toskana nachempfinden zu können. Lässig sitzen die Menschen auf dem muschelförmigen Platz auf dem Boden und bestaunen die mittelalterliche Kulisse. Tauben trinken vom Wasser des bekannten Fonte Gaia Brunnens, der nicht nur die Herzen der Liebenden höher schlagen lässt. Erhaben ragt der Dom von Siena in direkter Nachbarschaft in den frühabendlichen Toskana-Himmel. Das Wahrzeichen der Stadt mit seinem markanten weiß-schwarzen Marmor ist weithin sichtbar. Ein entspannter Einkaufsbummel durch die schicken Läden in den angrenzende, schicken Geschäftsstraßen und ein italienisches Abendessen mit feinsten Zutaten und erstklassigem Chianti rundet den Tag gelungen ab.

Tag 2 – die Hügellandschaft des Chianti Gebietes

Der zweite Tag führt uns durch das schöne Chianti-Gebiet. Hier liegen alte Burgen und Weingüter an der Straße und ein Weingut nach dem anderen lädt zur Weinverkostung ein. Wer den guten Wein auch mit nach Hause nehmen will, achtet einfach auf die Schilder „vendita diretta“.

Die Besonderheit dieser Gegend sind die lieblichen Hügel und besonders kurvigen Landstraßen. Den besten Überblick über die Region erhält man, wenn man morgens früh in Siena startet und dann auf der Landstraße S408 in Richtung Castello di Brolio fährt. Die Burg samt angeschlossenem Weingut befindet sich seit 1167 im Familienbesitz und ist die Heimat des Chianti Classico, den man am schwarzen Hahn (Il Gallo Nero) auf dem Flaschenhals erkennt. Er ist das Symbol des Konsortiums Chianti Classico, das schon seit Jahrhunderten feinste Rotweine keltert. Chianti wird in sieben Gebieten hergestellt. Die besten Weine kommen aus Classico und Rufina. Brunello, der in der südlichen Toskana angebaut wird, muss länger reifen und kann sehr teuer sein.

Weiter im Norden erreichen wir dann Meleto. Die weithin sichtbare Burg ist Wahrzeichen des Ortes, der ebenfalls für hervorragende Weine bekannt ist. Die nächsten Zwischenstopps empfiehlen sich in Gaiole in Chianti sowie in Badia a Coltibuono. Ein Highlight erwartete uns in Radda in Chianti. Die Weingüter von Radda erwiesen sich als Kleinod feinster Rotweine. Die Winzer freuen sich über Gäste und präsentieren dem Besucher ihre edlen Tropfen stolz. Vielfach hat man auch die Möglichkeit sich den Herstellungsprozess erklären zu lassen oder die jahrhundertealten Weinkeller mit ihren riesigen Eichenfässern zu besichtigen. Den Abschluss des gelungenen Tages bildet Castellina in Chianti mit einem sehenswerten, unterirdischen Wehrgang.

Tag 3 – die westliche und nördliche Toskana

Direkt am Morgen des dritten Tages erwartet uns ein fahrerischer Höhepunkt der Toskana-Tour: Die alte Landstrasse S68 nach Volterra. Mit ihren irrwitzigen Kurven, Windungen, Serpentinen und Kuppen ist sie nicht nur außerordentlich malerisch, sondern versetzt den Fahrer auch in eine Art Rallye-Rausch. Der gute Vorsatz die Landschaft im Bummeltempo zu genießen ist spätestens nach der dritten Kurve hin, denn mit beherzten Gasstößen lässt sich der MX-5 hier sehr gut quer durch die Kurven treiben oder an der ein oder anderen Kuppe zum Abheben verleiten. Etwas beschaulicher geht es dann schon in der Festungsstatt Volterra selber zu. Wie viele andere toskanische Städte liegt Volterra weithin sichtbar auf einem Hochplateau. Die malerische Innenstadt lädt zum verweilen ein. Es gibt wohl kaum einen Ort in der Gegend, der typischer ist für die Toskana als Volterra. Der Blick über die sanften Hügel des Umlandes ist ein absolutes Muss für jede Toskana-Reise. Wer etwas Zeit mitbringt, kann den Tag tief im Westen in Pisa ausklingen lassen. Die Stadt lädt zum Shoppen ein und ist bekannt für sehr gute Restaurants. Vom 11. Bis 13. Jahrhundert war Pisa dank seiner starken Flotte die Vormachtstellung im westlichen Mittelmeerraum sicher. Der damit verbundene Reichtum spiegelt sich noch heute in den Bauten der Zeit wieder: Duomo, Baptisterium und Campanile – ein Ort der Wunder.

Tag 4 – die pulsierende Metropole Florenz

Das pulsierende Herz der Toskana liegt nach wie vor in Florenz. Vom Piazzale Michelangelo aus betrachtet, erhebt sich Florenz mit seinen prächtigen Bauten geradezu majestätisch an den Ufern des Arno. Selbst heute nach vielen Jahrhunderten hat die Metropole nichts von ihrem Glanz verloren. Unzählige Kunstschätze und architektonische Meisterleistungen die der weltweit bekannte Dom, das Rathaus oder die unzähligen Paläste machen Florenz zu einer der schönsten Städte Italiens und Europas. Über die Hänge des Arno erreicht man vom Piazzale Michelangelo zu Fuß die bekannte Ponte Vecchio, über die man sehr bequem die Altstadt erreicht. Auf der Brücke selber laden die sehr feinen Goldgeschäfte zum Einkauf ein. Die sehr belebte Innenstadt und der Rathausplatz sind ein absolutes Muss. Sehenswert ist vor allem die Kuppel des Doms, die seinerzeit wegen Ihrer enormen Spannweite eine Meisterwerk der Architektur ist. Über unzählige Stufen kann man den 85 Meter hohen Turm des Doms, den Campanile erklimmen. Dort bietet sich ein fantastischer Ausblick auf die gesamte Innenstadt und die angrenzende Hügellandschaft der Toskana. Etwas ruhiger und beschaulicher geht es da schon in den Parkanlagen des Giardino di Boboli oder des bekannten Palazzo Pitti zu. Hier findet der Florenz-Besucher Ruhe und Entspannung .

Eigentlich könnte man in der Toskana Wochen verbringen und man hat noch immer nicht alles gesehen. Vier Tage reichen gerade einmal, um einen groben Überblick zu bekommen. Sie machen hungrig auf mehr und so wird diese Reise in diesen faszinierenden Landstrich sicherlich nicht der letzte Ausflug in diese faszinierende Kulturlandschaft sein.

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