Unterwegs im Land der Gegensätze

Stahlblaues Wasser, subtropische Vegetation, verwegene Kalksteinformationen der steil aufragenden Bergketten, die smaragdgrüne Bergseen und faszinierenden Wasserfälle der Nationalparks und die wohl schönsten Küstenstraßen Europas – Kroatien ist ein Land der Gegensätze.

Da die Reise ursprünglich nur als Trip in die Berge zum Klettern gedacht war und erst durch das schlechte Wetter in den Alpen zu einer Rundreise auf dem Balkan wurde, musste das Gepäckabteil des Roadsters neben einer kompletten Kletterausrüstung auch noch ein Zelt und eine Feldküche aufnehmen. Unmöglich? Nein – man muss nur intelligent packen und selbst die kleinsten Ecken nutzen. Richtig ver- packt, passt in den MX-5 NA eine komplette Expeditionsausrüstung inkl. Zelt, Bergschuhe, Kletterseile usw. die dann am Ende an der warmen Adria doch gegen Flip Flops und Badehose getauscht wurden.

Der Weg ist das Ziel: Das Spannendste an einer solchen Reise ist, dass man morgens nie genau weiß, wo man abends ankommt. Einfach in den Wagen setzen und der Intuition oder einfach der kurvenreichsten Straße folgen – das ist das Geheimnis eines Roadtrips im MX-5. Das Wichtigste dabei ist einfach nur, dass man Autobahnen konsequent meidet und auch Landstraßenetappen von über 500-1000 km nicht scheut.

Was für Hannibal zur Römerzeit nur schwer zu bewerkstelligen war, gelingt im MX-5 in nur wenigen Stunden: Die Überquerung der Alpen ist sicherlich ein erster Höhepunkt der Reise. Für die Querung des Mas- sivs wählen wir ganz bewusst nicht den ausgefahrenen Brenner, sondern das malerische Ötztal mit den anspruchsvollen Kehren der Timmelsjoch Hochalpenstraße.
Einmal in Süd-Tirol angekommen, sind die Dolomiten natürlich ein absolutes Muss für jeden Fan alpiner Kurven: Die Sellarunde mit den vier Pässen Sellajoch, Pordoijoch, Grödnerjoch und Cam- polongo ist wohl die faszinierendste hochalpine Panorama-Rundtour. Wer den Kurvenspaß möglichst ungestört erleben will und seinen Roadster quer um die Kehren treiben will, sollte dies möglichst in den frühen Morgenstunden oder abends erledigen, denn dann sind die gut ausgebaut- en Straßen absolut leer. Der ambitionierte Fahre kann das herrlichen Alpenpanorama so auch im Drift durch die Seitenscheibe bewundern. Natürlich eignen sich die Dolomiten auch zum Klettern.

Mit der passenden Ausrüstung lassen sich sehr einfach und schnell einige 3000er erklimmen.

Mit den Wolken kommt der Regen: Nachteil der Reisezeit im September ist ganz klar, dass das Wetter im September in den Bergen sehr schnell umschlagen kann. Und das ist genau der ausschlaggebende Grund für die eigentliche Reise nach Kroatien, denn wer will schon seine Roadster-Reise mit geschlossenem Verdeck verbringen. Binnen weniger Stunden erreicht man über einige mehr oder weniger hohe Berge und die Po-Ebene die Badewanne des Mittelmeeres: In azurfarbenen Tönen liegt die Adria vor uns.

Schon zur Zeit des Habsburgischen Reiches, war Istrien für wohlhabende Österreicher mit seinen vielen Sonnentagen und milden Temperaturen das Winterquartier schlechthin. Wir wählen daher für den ersten Stopp und die Erkundungsfahrten auf der Halbinsel ganz bewusst das herrschaftliche Opatja nahe der Küstenstadt Rijeka. Einige der prächtigen Villen aus habsburgischer Zeit sind inzwischen zu Luxushotels umgebaut worden und bieten in gediegener Atmosphäre stilvolle Unterkünfte mit Meerblick.

Das ist der ideale Ausgangspunkt für die kommenden zwei Tage für Ausfahrten entlang der
Küsten der Halbinsel Istrien.

An der Spitze der istrischen Halbinsel liegt das römische Pula. Die bedeutendste Sehenswürdigkeit sind hier das sehr gut erhaltene Amphitheater und die malerische Altstadt, die im Sommer mit ihrem regen Geschäftsleben eine lebhafte Handelsstadt ist. An der Westküste ist Porec ein absolutes Muss. Die von zahlreichen Inseln umgebene Altstadt beheimatet eine Kirche, die zum Weltkulturerbe zählt.

Mit Rückenwind in den Süden: Die dalmatinische Küste zwischen Rijeka, Senj und Zadar erinnert an einen italienischen Schwarz-Weiß Film aus den 50er Jahren. Die karge, durch die Bora windgepeitschte Karstlandschaft wirkt in der brüllend heißen Sonne unwirklich und bizarr.

Durch die enormen Fallwinde aus dem Landesinneren ist dieser Landstrich extrem trocken. Auf den kargen Feldern sind allenfalls ein paar Ziegen zu sehen – ansonsten weckt die Landschaft eher Assoziationen an Afrika oder die Wüste von Almeria im Süden von Spanien. Getrieben vom Wind rasen Wolkenfetzen aus den Bergen hoch über unseren Köpfen über den strahlend blauen Him- mel in Richtung Meer, um sich dort aufzulösen – was für ein Schauspiel!

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Wegen der enormen Fallwinde ist die gesamte Küstenstraße zwischen Senj und Zadar über fast 150km für den LKW, Wohnwagen und Wohnmobilverkehr gesperrt, was zu dieser Jahreszeit wohl 95% des gesamten Verkehrsaufkommens ausmacht. Das ist Roadsters-Paradise: Steile Klippen, tief blaues Wasser, strahlende Sonne, griffiger schwarzer Asphalt und Kurven ohne Ende!

Tief im Süden von Nord-Dalmatien liegt die Küstenstadt Zadar, umgeben von einem Archipel von tausenden kleiner Inseln in türkisfarbenem Wasser. Die mittelalterliche Stadt mit Festung und autofreier Innenstadt bietet Sehenswürdigkeiten aus allen Epochen und ist ein idealer Ausgangspunkt zu Ausfahrten ins Umland.

Die lebhafte Küstenstadt bietet alles, was das Herz begehrt: Eine bezaubernde Altstadt, Ruinen, ausgezeichnete Restaurants und ein pulsierendes Nachleben. Zwischen den beiden Häfen von Zadar verkehren seit fast 900 Jahren kleine Holzboote. Die Bootsführer gehen auch heute noch in alter Tradition ihrer Arbeit nach. Die oftmals nur ein paar Minuten dauernde Überfahrt ist günstig und sehr romantisch.

Zu den Geheimtipps im Umland gehören die Insel Pag und der Krka Nationalpark, wo selbst zur Hochsaison noch einsame Stellen zu finden sind. Ein besonderes Erlebnis sind die Straßen auf Pag. Nur wenige Touristen verirren sich im September auf diese sehr karge Halbinsel mit dem Ergebnis, dass hier nahezu perfekte Bedingungen für sportliche Roadstertouren herrschen. Die einsamen und kurvenreichen Küsten- und Gebirgsstraßen sind menschenleer und schreien geradezu danach im zügigen Tempo befahren zu werden.

Nach so viel Wind und Staub wird es Zeit auf dieser Reise auch zu entspannen. Dazu gibt es an der gesamten Küste wohl keinen geeigneteren Ort als die liebliche Riviera von Makarska. Diese Küste östlich und westlich des kleinen Küstenstädtchens Makarska wird oftmals nicht zu Unrecht als traumhaft beschrieben. Saftige Felder, Weinreben, eine prächtige Vegetation mit Feigenbäumen und Früchten aller Art mit dem kristallklaren Wasser der Riviera machen diese Region zu einem Kleinod der Besinnlichkeit.

Die Region erstreckt sich von Trogier, das ebenfalls zum Weltkulturerbe zählt, im Nordwesten bis nach Ploce im Süd- osten. Das antike Split ist dabei die wohl bekannteste und größte Stadt an der Küste. Der Diokletian-Palast aus römischer Zeit ist das eigentliche Herz der Altstadt, die mit ihren tausenden kleinen Gassen eine der schönsten Reliquien vergangener Zeiten an der dalmatinischen Küste ist. Es ist herrlich, diese verworrenen Gassen zu erkunden und sich danach in einem der Cafés auf der herrschaftlichen Uferpromenade zu sonnen und zu entspannen.

Das ist Dolce Vita auf kroatisch – einfach genießen und das facettenreiche Leben um sich herum beobachten. Ent- spannender kann eine Reise kaum sein. Nach so viel Sehenswürdigkeiten und Entspannung dürfen natürlich auch die Roadsterfreuden nicht zu kurz kommen.

 

Ein ausgezeichnetes Revier für sportliche Ausfahrten bietet die Gebirgslandschaft im Hinterland von Makarska. Zahlreiche Bergstrecken mit gutem Asphalt und unendlich vielen Kurven machen besonders im warmen und nicht mehr so ganz heißen Spätsommer richtig viel Spaß.

Dies ist auch ein ausgezeichneter Tipp für die Rückreise. Wer die Autobahnen meidet, gewinnt im touristisch wenig erschlossenen Hinterland auf den vielen kleinen Landstraßen ganz neue Eindrücke von Kroatien. Wer hier im Roadster unterwegs ist, lernt Land und Leute so richtig kennen.

Ein Juwel von Kroatien und UNESCO Weltnaturerbe sind die Plitwitzer Seen – ein absolutes Muß für jede Kroatien-Reise. Ein grünes Labyrinth an Pfaden, Wäldern und Wiesen umgibt die in smaragd- bis türkisgrün schimmernden Seen.

Die insgesamt 16 Seen sind durch Wasserfälle und Kaskaden miteinander verbunden und können im Rahmen eines Tagesausflugs über Holzstege erkundet werden. Angesichts der außerordentli- chen Schönheit dieses Naturparks sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. Die Seen werden durch unterirdische Quellen gespeist. Gleichzeitig versick- ert Wasser im porösen Kalkgestein und tritt an anderen Stellen wieder aus.

Durch die im Wasser gelösten Mineralien verändert sich die Farbe der Seen ständig und wechselt von azurblau bis hin zu strahlendem Grün. Dieses Naturschauspiel ist ein echtes Highlight und macht die Roadsterreise durch Kroatien einfach unvergesslich.

 

 

 

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